Über Diabetes

Diabetes mellitus – oft auch als Zuckerkrankheit bezeichnet – ist ein Krankheitsbild, das weltweit auf dem Vormarsch ist. So auch in Österreich. Die überwiegende Mehrheit der Diagnosen entfällt dabei auf Typ-2-Diabetes. Doch was macht diese Erkrankung aus und wie verändert sie unser Leben? Warum sind Früherkennung und rasche Behandlung so wichtig? Und wo erhalten Sie, ergänzend zur Betreuung durch Ihren Arzt, kompetente Unterstützung im Alltag? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier kompakt zusammengefasst.

Diabetes in Österreich

Immer mehr sind betroffen

Diabetes gilt in Österreich als eine Art Volkskrankheit. Die meisten Menschen hatten in ihrem Leben schon Kontakt damit: entweder als Betroffener oder weil sie einen Diabetiker kennen.

Was bedeutet eigentlich Typ 1 und Typ 2?

Diabetes ist nicht gleich Diabetes. Die Form „Typ 1“ tritt vor allem im Kinder- und Jugendalter plötzlich als Autoimmun-Reaktion auf. Dabei greifen Zellen des körpereigenen Immunsystems die insulinproduzierenden Zellen an und zerstören sie. Deutlich weiter verbreitet ist hingegen „Typ 2“. Die Krankheit ist entweder erblich bedingt – oder das Ergebnis eines ungünstigen Lebensstils mit zu wenig Bewegung und ungesunder Ernährung. Sie entwickelt sich meist schleichend. Während früher vor allem Menschen im Erwachsenenalter betroffen waren, erkrankten in den vergangenen Jahren vermehrt auch Jugendliche an dieser Diabetes-Form.

Vor allem Typ-2-Diabetiker in Österreich

Weltweit steigt die Zahl der Typ-1-Diabetiker jährlich um rund 3 Prozent an. Bei Typ-2-Diabetes beträgt der weltweite Anstieg 6 Prozent pro Jahr. In Österreich sind etwa 90 % aller Diabetes-Patienten Typ-2-Diabetiker. In Summe sind rund 650.000 Menschen, also ca. 8 % der Bevölkerung, von dieser Diabetes-Form betroffen. Eine Zahl, die zuletzt nicht ab-, sondern stetig zugenommen hat. 1998 waren noch rund 40 % weniger Menschen an Diabetes erkrankt als heute. „Diabetes selbst ist nicht ansteckend, breitet sich aber mit rasender Geschwindigkeit über den Erdball aus, weil der Lebensstil, der die Erkrankung fördert, ansteckend ist“, erklärte Hermann Toplak, ehemaliger Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, erst Ende des vergangenen Jahres. Und so kommt es, dass mittlerweile weltweit rund 422 Millionen Menschen an der tückischen Stoffwechselerkrankung leiden und 1,6 Millionen Todesfälle direkt auf Diabetes zurückzuführen sind.

Diabetes im Griff – doch nicht die Folgeerkrankungen

Der steigenden Anzahl an Erkrankten steht ein regelrechter Boom bei Diagnose-, Kontroll- und Behandlungskonzepten gegenüber. Die moderne Medizin bekommt Diabetes also grundsätzlich immer besser in den Griff. Aber: Gleichzeitig leiden immer mehr Diabetiker an den Spätschäden ihrer Krankheit. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge haben, Nervenerkrankungen, Schäden an den Augen oder Nieren, der „diabetische Fuß“, Sexualstörungen, Harnwegs- und Genitalinfektionen: Die Liste der möglichen Beschwerden, die Diabetes mit sich bringt, ist lang. Und sie führt zu traurigen Statistiken.

Die Folgen von Diabetes in Zahlen

Alle 50 Minuten stirbt hierzulande etwa ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Die meisten Todesfälle sind dabei auf Herzinfarkt und Schlaganfall zurückzuführen. Jährlich werden in Österreich 2.500 Amputationen an Diabetes-Patienten vorgenommen. 300 Diabetiker werden jährlich wegen des Versagens ihrer Nieren dialysepflichtig. Außerdem erblinden pro Jahr 200 Österreicher als Folge der Krankheit.

Gefährliche Dunkelziffer

Wird Diabetes frühzeitig erkannt und bestmöglich behandelt, können Folgeerkrankungen verhindert oder hinausgezögert werden. Ein Problem ist allerdings die hohe Dunkelziffer. Weil ein hoher Blutzucker keine offensichtlichen Schmerzen verursacht, wissen viele Menschen gar nicht, dass sie an der Krankheit leiden. Im Österreichischen Diabetesbericht von 2017 wird die Zahl der undiagnostizierten Diabetiker auf 147.000 bis 294.000 geschätzt. Da die Erkrankung und die begleitenden Beschwerden nicht behandelt werden, sind diese Menschen einem besonders hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Nieren- und Augenschäden sowie weitere Folgeerkrankungen ausgesetzt.

Ausreichend Bewegung und eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Fett und Zucker: So lauten grob zusammengefasst die Tipps, damit Sie Typ-2-Diabetes vorbeugen können. Haben Sie die Diagnose der Krankheit allerdings schon erhalten, besprechen Sie Ihr persönliches Risiko für Folgeerkrankungen und entsprechende Maßnahmen am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

Typ-2-Diabetes im Überblick

Was ist Typ-2-Diabetes?

Wenn Sie an Diabetes denken, fallen Ihnen bestimmt schon viele Fakten über diese chronische Erkrankung ein.
Sie wissen, dass…

… die Krankheit durch zu viel Zucker im Blut gekennzeichnet ist.

… ein von der Bauchspeicheldrüse produziertes Hormon der Schlüssel ist, um Zucker aus dem Blut zu transportieren und den Körperzellen als Energielieferant zur Verfügung zu stellen.

Typ 2 Diabetes Icon: Hormon und Bauchspeicheldrüse

… bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu wenig von diesem Hormon produziert wird oder der Körper dieses nicht richtig verwerten kann – oft auch aufgrund von zu hohem Körpergewicht. Das lässt die Blutzuckerwerte ansteigen.

Ein hoher Blutzuckerspiegel hat negative Auswirkungen auf Augen, Nieren, Nerven, alle Blutgefäße …

… und auch auf Ihr Herz – eines der wichtigsten Gefäßsysteme im Körper.

Deswegen müssen Menschen mit Typ-2-Diabetes immer an ihr Herz denken!

Welche sind die häufgsten Diabetessymptome?
  1. Eine signifikante Erhöhung der Trink- und Harnmenge sowie häufiger Harndrang, vor allem nachts. Letzterer könnte auch Blasenprobleme zur Ursache haben – in Kombination mit starkem Durst ist er jedoch unbedingt als Warnzeichen zu betrachten.
  2. Unscharfes Sehen: Mit erhöhten Blutzuckerwerten steigt auch der Zuckergehalt in der Linse und im Glaskörper. Es wird mehr Flüssigkeit eingelagert, wodurch sich auch die Lichtbrechungsverhältnisse im Auge ändern.
  3. Vermehrte Hautinfektionen sowie gestörte Wundheilung
  4. Leistungsschwäche
  5. Geringere psychische Belastbarkeit
  6. Müdigkeit
Langzeit-Blutzuckermessung über den HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert gibt an, in welchem Ausmaß Zuckerteilchen an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gebunden sind. Bei hohem Blutzuckerspiegel binden mehr Zuckerteilchen an das Hämoglobin, sinkt der Spiegel, so lösen sich die Teilchen wieder. Da Diabetes-Patienten längerfristig einen erhöhten Blutzuckerspiegel haben, ist die Bindung fest und bleibt solange bestehen, bis die roten Blutkörperchen abgebaut werden.
Somit gibt der HbA1c-Wert Auskunft darüber, wie hoch die Zuckerkonzentration innerhalb der letzten Wochen durchschnittlich war – und ist damit auch zur Verlaufskontrolle einer Diabetes-Therapie geeignet.

Wie entsteht eine kardiovaskuläre Erkrankung?

Kardiovaskuläre Erkrankungen (auch Krankheiten des Kreislaufsystems genannt) umfassen Krankheitsbilder mit Beteiligung des Herzens und weiterer Gefäße – wie z.B. Angina Pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall.
Die häufigste Ursache für die Entstehung einer kardiovaskulären Erkrankung ist eine Arteriosklerose der Gefäße mit Verengung einer oder mehrerer Arterien, die das Herz, Gehirn bzw. andere Gewebe versorgen. Eine Arteriosklerose entsteht meist durch Ablagerungen in den Gefäßwänden.

Wie erkenne ich diese?

Die konkreten Symptome hängen stets von der Art der Herz-Kreislauf-Erkrankung ab. Zu den generellen Anzeichen zählen: Brustschmerzen, Enge-Gefühl in der Brust, Herzrhythmusstörungen, Atemnot bei körperlicher Belastung, verstärktes Schwitzen, Müdigkeit.

Wie erkenne ich eine Herzinsuffizienz?

Kurzatmigkeit ist oft das erste Anzeichen einer Herzschwäche. Schon beim Tragen von schweren Einkäufen oder beim schnellen Gehen kommen Betroffene außer Atem. Ein weiteres Symptom: Wassereinlagerungen – vor allem in den Füßen und Beinen, die geschwollen wirken, sodass Schuhe plötzlich zu eng sind. Schließlich fehlt Betroffenen auch der innere Antrieb – Müdigkeit und Schwäche machen sich bemerkbar.

Lesen Sie dazu noch mehr unter dem Punkt Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Leben mit Diabetes

Diagnose Diabetes
Für die meisten Betroffenen und Angehörigen ist die Diagnose im ersten Moment ein Riesenschock. Ängste und Bedenken zum Alltag mit der Krankheit machen sich breit. Bei gut eingestelltem Blutzucker können Diabetiker jedoch ein ganz normales Leben führen. Vorausgesetzt, dass man gut über die Erkrankung informiert ist und gelernt hat, was es im Alltag zu berücksichtigen gilt. Informieren Sie sich hier über die unterschiedlichen Lebensbereiche und zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu holen.

Das Berufsleben
Bei einer optimalen Blutzuckereinstellung können Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, einem ganz normalen Berufsleben nachgehen. Es gibt nur wenige Ausnahmen davon. Worauf ein Diabetiker jedoch achten sollte, ist ein Job, in dem bedarfsorientierte Pausen möglich sind. Dies ist wichtig, um gegebenenfalls den Blutzucker messen und Medikamente einnehmen zu können.

Das Sexualleben
Bei einer chronischen Krankheit wie Diabetes kommt es bei Betroffenen häufig zu einer Störung der Sexualität. Jeder zehnte Mann leidet unter einer erektilen Dysfunktion und auch bei Frauen kommt es häufig zur Verminderung sexuellen Verlangens. Dies beeinflusst in der Folge die Partnerschaft meist maßgeblich. Trotz aller Ängste und Unsicherheiten ist es wichtig, das Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin zu suchen. Ebenso sollte ein Arzt des Vertrauens aufgesucht werden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, die das Sexualleben entscheidend verbessern können.

Die Psyche
Neben der Belastung durch ein gestörtes Sexualleben können auch die Überforderung mit der neuen Situation und die damit verbundenen Unsicherheiten zu einer psychischen Erkrankung führen. Jeder zehnte Diabetiker zeigt Symptome von Depressionen und Angstzuständen. So scheinen sich die beiden Krankheiten – Diabetes und Depressionen – sogar gegenseitig zu beeinflussen, da auch depressive Menschen häufiger an Diabetes erkranken als psychisch stabile. Die genauen Zusammenhänge hierzu können jedoch noch nicht vollständig erklärt werden.

Fakt ist, dass Diabetes eine große Belastung für viele Betroffenen darstellt und die Lebensqualität verändern kann. Überforderung und Ängste können in Folge auch den Behandlungsverlauf ungünstig beeinflussen. Für diese Menschen ist es besonders wichtig, sich professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten zu suchen.

In der Schwangerschaft
Basis ist eine spezialisierte und möglichst engmaschige Betreuung vor und während der Schwangerschaft sowie bei der Geburt. Dann kann auch eine Diabetikerin ein gesundes Kind zur Welt bringen. Die Risiken für Mutter und Kind liegen – statistisch betrachtet – zwar immer noch über denen einer gesunden Schwangeren. Jedoch können diese durch eine optimale Blutzuckereinstellung minimiert werden. Auch eine intensive Betreuung durch einen Diabetologen und einen diabetologisch erfahrenen Gynäkologen sind dringend zu empfehlen.

Auf Reisen
Auch Reisen in ferne Länder können Diabetiker unternehmen. Jedoch gilt für jede Reise – egal ob mit dem Flugzeug, dem Auto, innerhalb Österreichs oder ins exotische Ausland – dass man gut vorbereitet sein sollte und bestimmte Regeln beachten muss, damit der Blutzucker auch im Urlaub nicht entgleist. Wichtig ist, ausreichend Medikamente und Zubehör mitzunehmen. Es empfiehlt sich sogar, die doppelte Menge einzupacken. Ein Teil davon gehört bei einer Flugreise unbedingt ins Handgepäck. Leicht können Gepäckstücke verspätet eintrudeln. So ist man immer auf einen Notfall vorbereitet.

Auch auf eine kleine Kühltasche, einen Diabetes-Gesundheitspass, ein spezielles Arzt-Attest und auf den Abschluss einer ausreichenden Reisezusatzversicherung sollten Betroffene nicht vergessen. Da ungewohnte Belastungen wie Klimawechsel und Reisestress leicht zu Blutzuckerschwankungen führen können, ist es sinnvoll, häufiger die Werte zu messen.

Genuss von Alkohol
Alkohol und Diabetes schließen sich nicht grundsätzlich aus. Jedoch sollte man lieber nicht zu intensiv feiern. Besser bewusst genießen und einige Verhaltensregeln befolgen – denn bereits bei einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung aus der Leber gestört. Übermäßiger Alkoholgenuss kann also im schlimmsten Fall zu einer schweren Unterzuckerung führen.

Bei Alkoholkonsum sollte dem Körper immer auch kohlenhydratreiche Kost zugeführt werden. Auch ein häufigeres Überprüfen des Blutzuckerspiegels ist sinnvoll. Als Faustregel für Alkoholkonsum gilt, niemals die von Experten empfohlene Tagesobergrenze zu überschreiten: Bei Frauen beläuft sich diese auf eine reine Alkoholmenge von 10 Gramm (entspricht einem kleinen Bier oder einem Achtel Wein oder Sekt). Männer sollten nicht über einen Wert von 20 Gramm reinen Alkohol (entspricht einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein) täglich kommen.

Vorbereitet auf den Notfall
Bei Diabetikern stellt eine extreme Unter- oder Überzuckerung bereits eine Notfallsituation dar. Dann gilt es – vor allem auch für die Angehörigen – einen ruhigen Kopf zu bewahren und sofort zu reagieren. Wie häufig so eine Situation eintritt, hängt davon ab, wie gut oder schlecht der Stoffwechsel des Betroffenen eingestellt ist. Wichtig ist, dass nicht nur der Diabetiker selbst, sondern auch sein nahes Umfeld umfassend informiert ist, um im Ausnahmefall schnell und richtig agieren zu können. Freunde und Familie stellen eine wichtige und notwendige Stütze für den Betroffenen dar.

Trotz aller Regeln und Einschränkungen, die es bei einer Diabetes-Erkrankung zu beachten gilt, ist es wichtig, sich eine positive Lebenseinstellung im Alltag zu bewahren. Der Einfluss auf die eigene Gesundheit ist größer als man denkt. Mit einer guten Blutzuckereinstellung und -kontrolle, psychischer Stabilität und einem bewussten, gesunden Lebensstil kann der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst werden.

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